Joseph Stiglitz (2025): Der Weg zur Freiheit

Shownotes

Die neoliberale Ideologie freier Märkte hat Krisen, Ungleichheit und gesellschaftliche Polarisierung mit sich gebracht. Sie ist wissenschaftlich überholt und muss durch einen progressiven Kapitalismus ersetzt werden. Der kann eine gerechte Gesellschaft ermöglichen, indem Märkte kontrolliert und wirtschaftliche Macht begrenzt. So entsteht Freiheit für alle statt für wenige Reiche. Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz beschäftigt sich mit den Verhältnissen in den USA, aber seine Kritik ist grundsätzlich.

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00:00:04: Eine Buchessenz der Friedrich Ebert Stiftung.

00:00:08: Der Weg zur Freiheit, Ökonomie für eine gerechte Gesellschaft von Josef Stiglitz erschienen im Siebler Verlag.

00:00:19: Kurz gefasst und eingeordnet von Michael Dauderstedt.

00:00:29: Die neoliberale Ideologie freier Märkte ist wissenschaftlich überholt und hat Krisen, Ungleichheit und gesellschaftliche Polarisierung mit sich gebracht.

00:00:39: Ein progressiver Kapitalismus ermöglicht dagegen eine gerechte Gesellschaft in dem Märkte kontrolliert werden und wirtschaftliche Macht begrenzt wird – so entsteht Freiheit für alle statt für wenige Reiche.

00:00:55: Einordnung aus Sicht der sozialen Demokratie Stieglitz verbindet seine Kritik über holter marktwirtschaftlicher Theorien mit zahlreichen Beispielen für Marktversagen sowie mit konstruktiven Vorschlägen für eine kluge Regulierung.

00:01:10: Sein Plädoyer für eine erneuerte sozialdemokratische Politik ist eine starke Argumentationshilfe für alle progressiven Kräfte.

00:01:20: Autur Joseph Stieklitz ist der bekannteste links-kinesianische Ökonomen Amerikas.

00:01:27: Er war Leiter des Council of Economic Advisors unter Präsident Clinton, Chefökonom der Weltbank und Professor an der Columbia University.

00:01:42: Er ist Mitglied zahlreicher progressiver Forschungs- und Beratungseinrichtungen sowie Autor vieler Bücher, Artikel in führenden Fachzeitschriften und wichtiger Berichte zu Grundfragen der Wirtschaftspolitik im Auftrag unter anderem der Vereinten Nationen und der französischen Regierung.

00:02:01: Inhalt Freiheit ist ein zentraler politischer Wert.

00:02:07: Von der Rechten sowie von Neoliberalen, reichen Eliten wird Freiheit einseitig als Freiheit von staatlicher Regulierung und als Herrschaft freier Märkte interpretiert.

00:02:19: Diese im heutigen Kapitalismus dominante Sichtweise übersieht dass die Freiheit des einen immer auch eine Beschränkung der Freiheit des anderen bedeutet.

00:02:29: Sie vertraut auf die Effizienz der Märkte, die sich empirisch in vielen Krisen als brüchig erwiesen hat.

00:02:35: Beispielsweise in der Finanzmarktkrise von VIII.

00:02:40: Die wissenschaftlich verbremten ideologischen Grundlagen des neoliberalen Vertrauens in freie Märkte sind die mikroökonomische Gleichgewichtstheorie der Neoclassik sowie die Werke von Friedrich von Hayek und Milton Friedman.

00:02:55: Die neuere ökonomische Forschung hat gezeigt, dass die dort postulierte Effizienz der Märkte von zahlreichen Voraussetzungen abhängt, die in der Realität nicht erfüllt sind.

00:03:06: So gibt es weder Märkte für alle Risiken noch verfügen Wirtschaftssubjekte jemals über vollständige Informationen oder fixierte Präferenzen.

00:03:16: Menschen sind auch keine rationalen Nutzenmaximierer!

00:03:20: Bereits Adam Smith, der gern für neoliberale Argumentationen instrumentalisiert wird hatte diese engstirnigen Annahmen verworfen.

00:03:30: Notwendige Schranken der Freiheit.

00:03:34: Auch extreme Marktliberale sehen die Notwendigkeit staatlichen Schutzes von Eigentumsrechten und Verträgen.

00:03:41: Dieses Minimalverständnis der Rolle des Staates ist aber unzureichend Denn das freie Handeln des einen hat fast immer auch jenseits der unmittelbaren Marktergebnisse Auswirkungen auf die Freiheitsspielräume der anderen.

00:03:55: Diese als Externalitäten bezeichneten Konsequenzen, zum Beispiel für die Umwelt sind politisch zu kontrollieren und zu regulieren.

00:04:03: Ansonsten gefährden sie früher oder später das gesamte System und die Gesellschaft.

00:04:10: Die Wohlfahrt einzelner Gesellschaft und der Menschheit im Ganzen hängt von öffentlichen Gütern ab, die nicht vom Markt bereitgestellt werden.

00:04:19: Der zu ihrer Erstellung notwendige Aufwand muss angemessen politisch verteilt werden.

00:04:24: was die individuelle Freiheit einschränkt.

00:04:27: Überließe man dies dem Markt bzw.

00:04:29: der Privatinitiative käme ein Angebot dieser Güter nicht oder nur zur hohen Preise zustande.

00:04:36: Verträge schränken die Freiheit der Vertragsparteien ein, indem sie diese zu bestimmten Handlungen oder Unterlassungen verpflichten was der Staat bei Bedarf durchsetzt.

00:04:46: Das Verhältnis zwischen Individuen und Staat kann ebenfalls als Vertrag nämlich als Gesellschaftsvertrag betrachtet werden.

00:04:54: dabei müssen die Menschen dem Staat vertrauen denn Sie können ihn nicht zur Einhaltung des Vertrages zwingen.

00:05:01: Die Regeln des Gesellschaftsvertrags verteilen Kosten und nutzen sowie Rechte und Pflichten, womit sich die Frage einer gerechten Verteilung stellt.

00:05:10: Adam Smith und John Rawls haben dazu ein wichtiges Konzept entwickelt – die Regeln sollten so gestaltet werden dass alle Mitglieder der Gesellschaft diese akzeptieren könnten selbst wenn sie nicht wüssten welche Position zum Beispiel Reich oder Arm Sie selbst in dieser Gesellschaft haben.

00:05:30: Eine Gesellschaft, die berücksichtigt wie unfähig Märkte sind bestimmte Risiken abzudecken wird Institutionen schaffen um ihre Mitglieder vor diesen Risiken zu schützen und so ihre Freiheit zu bewahren.

00:05:43: Dazu gehören öffentliche Angebote für Bildung und Gesundheit sowie Unterstützung im Alter und bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit Wettbewerb- und Marktmacht.

00:05:57: Aus neoliberaler Sicht sind Einkommensverhältnisse per Definition dann und deshalb gerecht, weil sie im freien Wettbewerb entstehen.

00:06:05: Diese Auffassung zufolge sind hohe Einkommen des Ergebnis von Arbeit sowie von klugem Sparen und Investieren.

00:06:13: Umgekehrt spiegeln niedrige Einkommen angeblich immer geringe Leistungsbereitschafts- und Fähigkeiten wieder.

00:06:20: Tatsächlich ist der Wettbewerb aber selten frei, sondern Unternehmen nutzen ihre Marktmacht um überhöhte Gewinne zu erzielen.

00:06:28: Wenn sie nicht durch staatliche Regulierung davon abgehalten werden, nutzen Sie die Unvollkommenheiten von Märkten aus und manipulieren die Kunden durch massive Aufwendungen für Werbung.

00:06:39: Aber selbst wenn die Märkte sauber funktionierten wären die Eigentums- und Einkommensverhältnisse nicht legitim!

00:06:46: Denn die am Marktbeteiligten treten mit drastisch unterschiedlichen Startbedingungen hinsichtlich Bildung und Vermögen gegeneinander an.

00:06:54: Vorteile hierbei beruhen selten auf eigener Leistung, sondern auf Erbschaft und letztlich unter Einbeziehung der historischen Perspektive aus Raub im Rahmen von Eroberung und Unterdrückung beispielsweise im Zuge der Sklaverei.

00:07:09: Die aus neoliberaler Sicht so zentralen Eigentumsrechte schützen daher Vermögen, die durch die Verletzung der Rechte anderer Menschen angehäuft wurden.

00:07:19: Unterschiedliche Reichtum bedeutet unterschiedliche Freiheit in Form von Gestaltungsmöglichkeiten.

00:07:26: Umverteilung – etwa durch Besteuerung ist daher ein wichtiges Instrument um Freiheitsspielräume für alle zu erhöhen.

00:07:33: Damit wird der gesamtgesellschaftliche Wohlstand gefördert.

00:07:37: Die Annahme negativer Folgen geringerer Anreize für die Reichen ist unbegründet.

00:07:44: Unternehmen steigern und schützen ihre Marktmacht auf vielfältige Weise.

00:07:48: Sie erschweren potenziellen Konkurrenten den Marktzugang, sie setzen rechtliche Regeln durch, die Kunden und Beschäftigten bei Interessenkonflikten benachteiligen.

00:07:58: Die Globalisierung hat es vielen Unternehmen ermöglicht mit Produktionsverlagerung zu drohen und so die Löhne zu drücken.

00:08:05: Und vor allem die USA schützen die Monopolmacht ihrer Unternehmen etwa beim geistigen Eigentum.

00:08:13: Präferenzen, Normen und sozialer Zusammenhalt.

00:08:18: Die neoliberale Schule postuliert dass es sich bei Menschen als Wirtschaftssubjekten um rationale Nutzen maximierer mit unveränderlichen Präference handelt.

00:08:29: Die moderne Verhaltensökonomie hat jedoch gezeigt, dass Menschen nur teilweise rational handeln und sich ihre Präferenzen verändern nicht zuletzt durch gesellschaftliche Einflüsse.

00:08:40: Oft folgen wir gesellschaftlichen Normen ohne dies als Einschränkung unserer Freiheit zu empfinden.

00:08:47: Im Gegenteil – diese Normen bilden eine wichtige Grundlage für das Zusammenleben und sie erleichtern auch das Funktionieren der Marktwirtschaft.

00:08:57: Ohne Vertrauen und soziale Verantwortung würde unsere Gesellschaft zerfallen – und mit ihr auch das kapitalistische System.

00:09:05: Die neoliberale Ideologie egoistischer Nutzenmaximierung untergräbt letztlich die von ihr verklärte Marktwirtschaft.

00:09:13: Die einseitige Fixierung auf finanziellen Gewinn bedroht den Wohlstand, in dem das Wohl der Menschen hintangestellt wird.

00:09:21: Daher bedarf es staatlichen Zwangs, um bestimmte Formen asozialen ökonomischen Verhaltens zu verhindern.

00:09:29: Heute werden die Präferenzen und Einstellungen vieler Menschen durch die sozialen Medien geprägt – die ihrerseits von Algorithmen gesteuert werden, die vor allem der Profitmaximierung dienen!

00:09:40: Die Marktmacht einiger weniger Tech-Konzerne wie Meta, Ex, Google oder Amazon führt dabei dazu dass Informationen nicht mehr der Wahrheitsfindung und Aufklärung dienen sondern Instrumente zur Steigerung von Werbeeinnahmen und zu Durchsetzung wirtschaftlicher und politischer Interessen werden.

00:09:59: Diese Konzerne prägen die Narrative und Sichtweisen der Menschen in einer Art und Weise in der die herrschende Ungleichheit als legitim und natürlich erscheint.

00:10:09: Meinungsfreiheit und Toleranz sind Grundwerte unserer Gesellschaft.

00:10:14: Aber wenn wissenschaftlich als falsch erwiesene Thesen verbreitet werden, die das Verhalten vieler Menschen beeinflussen, müssen diesen Werten Grenzen gesetzt werden.

00:10:24: Man muss zwischen Meinungen und den Taten unterscheiden, die ihnen folgen – insbesondere, wenn dadurch Menschen gefährdet werden!

00:10:32: Eine gerechte Wirtschaftsordnung Der seit den Neoliberale Kapitalismus hat wenig Wachstum und eine hohe Zunahme von Ungleichheit bewirkt.

00:10:45: Er kann als gescheitert angesehen werden, seine Rezepte zur Bereitstellung öffentlicher Güter zu Risikoabsicherung, zur Regulierung von Kapitalmärkten oder zur Bewältigung von Externalitäten wie Umweltbelastungen sind unrealistisch.

00:11:01: Sie folgen überholten ideologischen Vorstellungen von effizienten Märkten und sind verantwortlich für Krisen-und Armut.

00:11:08: Vor allem in den USA scheint die Politik unfähig zu sein, die notwendigen Struktureformen zur Einhegung des neoliberalen Kapitalismus durchzuführen.

00:11:19: Auch auf zwischenstaatlicher Ebene sollte eine andere Wirtschaftsordnung für mehr gerechte Entwicklung sorgen.

00:11:25: Die meisten der zeitgültigen Regelungen spiegeln die alten Machtverhältnisse zwischen dem reichen Norden und dem globalen Süden wieder.

00:11:33: Sie schützen geistiges Eigentum, das Monopolrenten ermöglicht, während die Idee einer Mindeststeuer für multinationale Unternehmen kaum Fortschritte macht.

00:11:44: Angeblich freie-und faire Handelsabkommen sowie vertraglicher Investorenschutz erweitern die Handlungsspielräume von Unternehmen zu Lasten betroffener Menschen.

00:11:56: Eine gute Gesellschaft braucht eine Wirtschaftsordnung, die aus einer dynamischen Vielfalt von Institutionen und Organisationen besteht, die sich Lernen weiterentwickeln.

00:12:06: So werden Machtungleichgewichte verhindert.

00:12:09: Der Staat soll dabei nicht minimiert werden sondern die notwendigen öffentlichen Güter wie Bildung und Gesundheit garantieren und die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.

00:12:21: Ein progressiver Kapitalismus muss sich von der falschen Ideologie ungeregelter Märkte verabschieden und die unerträgliche Ungleichheit von Einkommen und Vermögen abbauen, die die Gesellschaft spaltet.

00:12:34: Im Gegensatz zum neoliberalen Credo sind freie Märkte kein Nährboden der Demokratie sondern zerstören ihre eigene gesellschaftliche und natürliche Basis wenn sie nicht demokratisch kontrolliert werden.

00:12:48: Nicht zu viel Staat hat in der großen Depression in den Faschismus geführt, sondern fehlende aktive Beschäftigungspolitik.

00:12:58: Eine erneuerte Sozialdemokratie kann eine Form der Freiheit bringen die nicht nur in der unbeschränkten Freiheit der Reichen und Mächtigen besteht, sondern im klugen politischen Ausgleich der Lebensinteressen aller Menschen.

00:13:12: So entstehen Freiräume für kooperatives Verhalten, zu dem Menschen grundsätzlich neigen wenn sie nicht so Egoismus, Konkurrenz und irrationaler Wut getrieben und verführt werden.

00:13:25: Votum.

00:13:27: Das Buch ist allen zu empfehlen die sich in der politischen Auseinandersetzung mit neoliberalen Kräften befinden, die den Freiheitsbegriff nutzen um Privilegien ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie Machtungleichgewichte zu verteidigen.

00:13:43: Zwar setzt sich Stiglitz überwiegend mit den Verhältnissen in den USA auseinander, wo der kapitalistische Wildwuchs und die Skepsis gegenüber dem Staat besonders stark ausgeprägt sind.

00:13:55: Aber auch für die hiesige Politik ist das Buch mit seiner grundsätzlichen Kritik an freien Märkten relevant.

00:14:01: Es nutzt die Erkenntnisse moderner ökonomischer Theorie sowie eine fülle empirischer Belege um eine bessere Wirtschaftsordnung für eine gerechtere Gesellschaft zu begründen.

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