Hanno Sauer (2025): Klasse

Shownotes

Unsere Klassenzugehörigkeit bestimmt unseren Beruf, unsere Freizeit, wie und worüber wir sprechen – kurz: unser gesamtes Leben. Für Hanno Sauer sind Visionen einer Gesellschaft ohne Ungerechtigkeiten illusorisch: Er untersucht, welche Vorstellungen von Klasse in der Gesellschaft vorherrschen, und deckt auf, worin sich unser Statuswettbewerb alltäglich äußert. Ein Buch, das insbesondere diejenigen zum Nachdenken anregen dürfte, die Ungleichheiten moralisch verurteilen, ihre eigene Rolle darin jedoch selten reflektieren.

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00:00:00: Eine Buchessenz der Friedrich Ebert Stiftung.

00:00:09: Klasse!

00:00:10: Die Entstehung von oben und unten.

00:00:14: Von Hanno Sauer, erschien im Piper-Verlag München, kurz gefasst und eingeordnet von Anne Katrin Weber.

00:00:27: Kernaussagen – die westlichen Gesellschaften sind von Klassen geprägt.

00:00:34: Unsere jeweilige Klassenzugehörigkeit bestimmt unseren Alltag, unsere Bildung, unseren Kontostand, unseren Geschmack die Kultur und auch die Politik.

00:00:46: Sie basiert auf sozialen Signalen, die wir unablässig senden und empfangen – materielle Signale wie teure Luxusgüter aber auch immaterielle Signalle wie moralische Selbstdarstellung oder unser Habitus.

00:01:01: Mit dieser allumfassenden sozialen Differenzierung und Segmentierung in ein oben-und ein unten, reicht der klassistische Statuswettbewerb tiefer als andere Formen von Diskriminierung.

00:01:15: Und im Gegensatz zu Sexismus und Rassismus ist er in hohem Maße gesellschaftlich anerkannt – Einordnung aus Sicht der sozialen Demokratie!

00:01:28: Die Klassengesellschaft ist eine Tatsache, der wir uns nicht entziehen

00:01:32: können.".

00:01:34: Statt uns in luftigen Visionen über den Systemwechsel zu verlieren, gilt es anzuerkennen dass der Status-Wettbewerb unser gesamtes Leben dominiert.

00:01:44: Das ist die Kernthese der Klassentheorie Hanno Sowers Die insbesondere all jene herausfordern wird, die sich für die Grundwerte der sozialen Demokratie einsetzen.

00:01:56: Der Autor dämpft jegliche Hoffnung, dass sich soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit künftig verringern oder gar beseitigen lassen.

00:02:06: Diese These stellt er auf Basis einer überzeugenden Analyse auf die insbesondere für die progressiven Akteurinnen der Mittelschicht einen doppelten Appell beinhaltet.

00:02:18: Mehr Realismus hinsichtlich der sozialen Segmentierung und weniger moralische Überlegenheitsgefühle gegenüber denjenigen, die anderen Schichten angehören.

00:02:57: unseren Beruf, unsere Freizeitgestaltung die Politik und Kunst kurz unser gesamtes Leben.

00:03:05: Dabei ist unter dem Begriff Klasse eine sozial konstruierte Knappheit zu verstehen durch die eine Rangfolge ein oben-und unten entsteht.

00:03:17: Welche Position man in dieser Rangfolge einnimmt, sprich welcher Klasseman angehört hängt von verschiedenen Formen ökonomischen kulturellen symbolischen sozialen ästhetischen und moralischen Kapitals ab.

00:03:34: Die vielmehr noch als das Geschlecht oder die Herkunft darüber bestimmen wie man von anderen wahrgenommen.

00:03:42: Deswegen ist Klassismus die dominante Form von Diskriminierung, und zwar eine, die gesellschaftlich überaus salonfähig ist.

00:03:53: Die meisten Menschen geben sich größte Mühe nicht als rassistisch oder sexistisch wahrgenommen zu werden – äußern aber ihre Verachtung gegenüber den ungewaschenen Massen ohne mit der Wimper zu zucken!

00:04:08: In welche Klasse wir uns selbst einordnen oder von anderen eingeordnet werden, basiert auf einer Vielzahl an sozialen Signalen die jeder von uns bewusst oder unbewusst sendet.

00:04:21: Hierzu zählen zum einen materielle Signale mit denen wir unsere Kaufkraft zur Schau stellen aber auch ästhetische oder andere immaterielle Signalle.

00:04:33: Beispielsweise präsentieren wir bestimmte Fähigkeiten, einen bestimmten Geschmack oder moralische Werte um uns von anderen abzugrenzen und uns damit zugleich zu einer bestimmten Klasse zugehörig zu zeigen.

00:04:48: Gerade die moralische Wehrung zeichnet eine neue soziale Schicht in den westlichen Gesellschaften aus – die sogenannte Arethocratie.

00:04:58: Dabei handelt es sich um oft junge fast immer gut ausgebildete Kosmopoliten in urbanen Zentren, die politisch progressiv eingestellt sind.

00:05:10: Sie sind häufig in Bereichen wie Wissenschaft oder Medien beschäftigt – die High-Status LoPay sind, also vergleichsweise viel soziales Prästich mit sich bringen aber nicht gerade herausragend bezahlt

00:05:23: werden.".

00:05:24: sodass die Mitglieder dieser Subkultur primär mit moralischen Chips am Statuswettbewerb teilnehmen.

00:05:32: Diese arithokratische Schicht beklagt oft lautstark den Mangel an Moral bei anderen, während sie selbst demonstrativ und performativ ihren Einsatz für soziale Gerechtigkeit zuschaustellt.

00:05:47: Anders Angehörige der Oberschicht Anstelle von Moral bemühen sie im Wettstreit um die soziale Rangfolge neben dem sogenannten Old Money, dem seit Generationen vererbten Vermögen eine andere Form des sozialen Kapitals.

00:06:05: Den Habitus.

00:06:06: nur wer die Rituale und Konventionen der oberen Klassen wirklich kennt weil er sie bereits als Kind und Heranwachsener tief und dauerhaft absorbiert hat kann diese glaubwürdig repräsentieren.

00:06:21: Alle anderen fremdeln weiterhin mit diesem lianen Wald unausgesprochener Regeln und Gebote, den keine Etikettenfiebel vollständig ersetzen kann.

00:06:33: Dieser Habitus gilt als ein besonders fälschungssicheres Signal – und fungiert somit als Zeichen einer gesicherten Unterscheidung zwischen oben und

00:06:44: unten.".

00:06:46: Eng mit den oberen Klassen und ihrem Habitus verbunden ist der Kunstbetrieb, denn die Künste sind alles andere als klassenlos.

00:06:56: Ähnlich wie Wissenschaftlerinnen geben sich KünstlerInnen zwar oft rebellisch und aufrührerisch gegenüber Klassenhierarchien Aber in Wirklichkeit lag der Kunstbetrieb immer schon mit der ausbeuterischen Oberschicht im Bett, die er mit Statussymbolen und Entertainment versorgt.

00:07:15: Das sorgfältig von Plebs abgeschottet wird!

00:07:19: Auch wenn die meisten von uns mittlerweile genug Ressourcen zur Verfügung haben um ein einiger Maßen auskömmliches Leben zu führen vergleichen wir uns ständig mit anderen.

00:07:31: Ein Ende der Klassengesellschaft ist deshalb illusorisch.

00:07:35: Es wird immer andere geben, die mehr haben als wir.

00:07:39: Und weil nicht nur der Wert materieller Güter volatil ist, sondern auch unsere Position im sozialen Gefüge, wird der Wettbewerb um höheren Status immer

00:07:49: weitergehen.".

00:07:51: So problematisch er auch isst den Kapitalismus abzuschaffen, wird nicht helfen – die damit verbundenen sozialen Ungerechtigkeiten abzumeldern oder zu beseitigen!

00:08:03: Denn es gibt bislang keine sinnvolle und gerechte Alternative, um Gesellschaften unserer Größe zu organisieren.

00:08:11: Es lohnt sich immer darüber nachzudenken wie Sie sich eine Gesellschaft noch weiter verbessern?

00:08:17: Wie sie sich noch gerechter, noch egalitärer, noch freier gestalten ließe!

00:08:23: Gleichzeitig ist es ein Gebot, intellektueller Aufrichtigkeit sich nicht darüber hinwegzutäuschen wie schwierig dies ist und wie erheblich die Hindernisse sind, die der Errichtung einer solchen radikal anderen aber irgendwie noch gerechtereren Gesellschaft ohne Klassen Ungleichheit Unterdrückungen Und Ausbeutung im Weg stehen.

00:08:46: Indem ständig unerreichbare Ziele postuliert werden, sind derartige Versprechen von Politikerinnen sogar gefährlich.

00:08:55: Denn sie destabilisieren das politische System langfristig!

00:09:01: Trotzdem gibt es einiges dass wir tun können um klassenbasierte Ungerechtigkeiten in unseren westlichen Gesellschaften zumindest abzumildern.

00:09:10: Beispielsweise sollte es keine offiziellen Status-Hirachien wie den Adelsstand mehr geben.

00:09:17: Ein höherer Status sollte, wenn überhaupt dann vor allem denjenigen zuteil werden die viel für das Gemeinwohl leisten.

00:09:26: Wo juristische und ausbeuterische Darstellungen von Menschen in Armut oder mit mangelnder Bildung sollten geächtet werden.

00:09:35: Und?

00:09:35: Gemeingüter wie öffentliche Verkehrsmittel, Schwimmbäder, Schulen und Universitäten müssen weiter ausgebaut und zugänglicher werden.

00:09:44: Damit unsere Gesellschaften dem sozialen Verfall trotzen können, der mit der Verhärtung von Klassenunterschieden einhergeht.

00:09:54: Wutum Hanno Sauer verzichtet in Klasse bewusst darauf große Visionen für eine gerechtere Gesellschaft zu entwerfen.

00:10:04: Stattdessen liefert er eine durchaus streitbare und zuweilen schmerzhafte Anleitung zur Selbstkritik.

00:10:11: Ein erster Schritt, um der Klassengesellschaft vielleicht doch noch etwas entgegenzusetzen!

00:10:19: Auch wenn der Autor die feministische Herrschaftskritik en passant déclassiert, weil er patriarchale Unterdrückung genau wie rassistische Diskriminierung dem Klassismus recht grobschlechtig unterordnet, bereitet die Lectüre große Lesefreude.

00:10:37: Das liegt nicht zuletzt am bissigen Ton und einer eloquent formulierten Selbstironie hinsichtlich der wohlhabenden, progressiven kosmopolitisch-urbanen Quasselklasse aus der heraus der Autor seine Thesen gebildet hat – und zu der große Teile seiner Leser innen zählen durften.

00:10:57: Vor allem aber überzeugt das Herzstück von Sauerstheorie, wonach sich unsere gesellschaftliche Rangfolge danach richtet welche Signale wir bewusst oder unbewusst senden.

00:11:10: Nach der Lektüre ist damit nichts mehr wie zuvor Der Besuch einer Party, der Blick zu den wohlhabenderen Nachbarn oder der Genuss eines Biokafés aus fairem Anbau.

00:11:23: Unser Alltag Unser gesamtes Leben ist als Spiegelbild unserer Position im sozialen Gefüge zu lesen.

00:11:33: Eine Position, die offenbar vor allem denjenigen wichtig ist, die Wortstark deren Abschaffung fordern.

00:11:41: Die Vorschläge zum Schluss des Buches enttäuschen hingegen Denn eine wirkliche Abkehr von sozialer Ungerechtigkeit wird mit diesen Empfehlungen nicht zu haben sein.

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